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I Tabernacoli di Firenze

Die Tabernakel von Florenz

Kunst & Kultur

Bei einem Spaziergang durch die Altstadt von Florenz fallen einem viele, manchmal kaum wahrnehmbare Spuren auf, die uns in die Vergangenheit zurückversetzen und es uns ermöglichen, unsere Stadt besser kennenzulernen. Dies gilt zum Beispiel für die Tabernakel.

An den „Ecken“ oder an den Fassaden von Palästen, Kirchen und öffentlichen Gebäuden sehen wir heilige Darstellungen, eingebettet in architektonische Rahmen oder kleine Tempel. Es handelt sich um eine besondere Art von „Stadtverzierung“, die sich ab dem 13. Jahrhundert, in einer Zeit der Kämpfe gegen die Ketzer, verbreitete und nach der Pest von 1348 einen starken Aufschwung erlebte, als die Tabernakel in einigen Fällen mit einem Altar ausgestattet wurden, um die Feier liturgischer Gottesdienste im Freien zu gewährleisten.

Hinter jedem dieser Tabernakel verbirgt sich eine Geschichte, ein Wunder, eine Legende, die sie voneinander unterscheidet. So gibt es beispielsweise zahlreiche Tabernakel entlang des Weges der zum Tode Verurteilten, die fast wie Stationen eines Kreuzwegs zwischen dem Gefängnis – zunächst dem Bargello, dann Le Stinche, dem heutigen Teatro Verdi – und dem Ort der Hinrichtung wirken. Dies gilt für die Porta alla Croce, die heutige Piazza Beccaria, zu der man ursprünglich – und das ist kein Zufall – über die Via de’ Malcontenti gelangte: „Malcontenti“ bedeutet „Unzufriedene

 In anderen Fällen wurde der Tabernakel an der Stätte eines vermeintlichen Wunders errichtet, als eine Art Votivgabe oder als Bitte um Schutz: Dies gilt für die sogenannte Madonna del morbo, die sich im Stadtteil Oltrarno, in der Via del Leone befindet,  die Giottino nach der schrecklichen Pest von 1348 auf wunderbare Weise mit Fresken ausstattete. An anderen Stellen wiederum finden wir sie entlang wichtiger Verkehrswege, wo sie Reisenden und Pilgern Schutz bieten.

Wir schlagen eine Art Stadtrundgang vor, bei dem man die bedeutendsten Tabernakel entdecken kann, wobei der Schwerpunkt auf der Altstadt liegt.

 

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Comune di Firenze

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Tabernakel delle Fonticine

Dieser Tabernakel aus glasierter Terrakotta wurde 1522 von Giovanni della Robbia für die Reame di Beliemme (eine Gesellschaft, die Nachbarschaftsfeste organisierte) hergestellt.

Im Mittelpunkt der Komposition stehen die Jungfrau und das Kind in Majestät, der heilige Johannes und vier Heilige, die von Gottvater, dem Heiligen Geist und anbetenden Engeln umgegeben sind. Andere Köpfe von Heiligen treten aus dem mit floralen Motiven verzierten Rahmen hervor.

Der Tabernakel nimmt seinen Namen  von den Wasserschwallen, die aus der Marmorplatte mit Engelsköpfen verzierten am Sockel austreten und sich ins Becken ergießen.

Ursprünglich befand sich der Tabernakel in der Nähe der Via Santa Caterina d’Alessandria, aber Mitte des 19. Jahrhunderts, während der Erweiterungsarbeiten der Via Nazionale, wurde er demontiert und an seinem aktuellen Standort aufgestellt: übrigens stand hier die Mauer des Gemüsegartens des ehemaligen Klosters von Fuligno.

 

Via Nazionale, angolo via dell'Ariento
Tabernacolo delle Fonticine

Tabernakel der via Guelfa

An der Ecke zur Via Panicale befindet sich dieser schöne Tabernakel mit Fresken von Giovanni da San Giovanni, einem der besten Florentiner Maler des 17. Jahrhunderts. 

Das Bildnis zeigt die Heilige Familie mit dem kleinen Johannes und dem Heiligen Rochus. Es wurde wahrscheinlich als Votivbild nach der Pest von 1632 (das Datum ist auf dem Architrav vermerkt) geschaffen, auch aufgrund der Darstellung des Heiligen Rochus: des Schutzheiligen, der gegen die schreckliche Epidemie angerufen wurde. 

via Guelfa, angolo via Panicale
Tabernacolo via Guelfa-Panicale

Tabernakel der via del Leone

Dieser Tabernakel im Stadtteil Oltrarno ist einer der wertvollsten in Florenz. Er wurde um die Mitte des 14. Jahrhunderts von Giottino mit Fresken verziert. Giottino, einer der herausragendsten Schüler Giottos und eine geheimnisvolle Persönlichkeit, schuf auch die berühmte „Pietà“ von San Remigio in den Uffizien.
Das Bild, das eine Madonna mit Kind und Heiligen darstellt, ist auch als Madonna del Morbo bekannt, da es wahrscheinlich als Dank für das Ende der schrecklichen Pest von 1348 geschaffen wurde. Das Original, das sich in den Depots der Uffizien befindet, wurde 1958 durch eine Kopie ersetzt.

via del Leone, angolo via della Chiesa
Tabernacolo via del Leone

Tabernakel der via della Scala

Wir befinden uns an der Ecke zwischen der Via della Scala und der Via degli Orti Oricellari, die ihren Namen von den nahegelegenen, berühmten Gärten der Familie Rucellai hat: Hier können wir einen schönen Tabernakel bewundern, der durch eine herrliche Madonna mit Kind aus glasierter Terrakotta von Andrea della Robbia (1435–1525) – dem Neffen von Luca, dem Stammvater der berühmten Künstlerfamilie – verziert ist. 
Das strahlende Weiß der Marmorgruppe hebt sich vom himmelblauen Hintergrund ab: die ersten und ursprünglichen Farben der Robbia-Kunst.

Orti Oricellari, angolo via della Scala
Tabernacolo Orti Oricellari

Tabernakel dei Malcontenti (der Unzufriedenen)

Es handelt sich um ein interessantes Beispiel für einen „Altartabernakel“, der vor allem in Zeiten von Seuchen für liturgische Feiern im Freien genutzt wurde. 
Er stellt eine dramatische Etappe des alten Weges dar, den die zum Tode Verurteilten in Richtung des Hinrichtungsortes, der Porta alla Croce, der heutigen Piazza Beccaria, zurücklegen mussten.
Das Bildnis, das eine Madonna mit Kind darstellt, ein Werk von Niccolò Gerini aus dem 14. Jahrhundert, befand sich an der Wand des Ospedale di Sant’Onofrio.
Dieses Krankenhaus, das heute nicht mehr existiert, war auch als „dei Tintori“ bekannt, da dort die häufigsten Krankheiten wie Dermatitis, Bindehautentzündung und Arthrose behandelt wurden, von denen die Arbeiter dieses alten Handwerks, die sich in diesem Stadtteil konzentrierten, betroffen waren. 
Die Verurteilten wurden auf ihrem Weg zum Tod von der Bruderschaft Santa Maria della Croce al Tempio begleitet, die ihren Sitz in der nahegelegenen Via San Giuseppe hatte.
 

 

 

via de' Malcontenti, angolo via delle Casine
Tabernacolo via de' Malcontenti

Tabernakel delle Stinche

Das alte Gefängnis von Florenz befand sich im Stadtteil Santa Croce, auf der „Isola delle Stinche“ – „Insel“, weil es von einem Graben umgeben war. Heute entspricht es dem Block des Teatro Verdi. 
Von hier aus führte der Weg zum Ort der Hinrichtung, der sich an der Porta alla Croce, der heutigen Piazza Beccaria, befand. Der Tabernakel ist mit einem Fresko verziert, einem Werk aus dem 17. Jahrhundert von Giovanni da San Giovanni, das den Wohltäter Girolamo Novelli darstellt, der, begleitet von Christus und dem Selbstporträt des Malers, das Lösegeld für einen Gefangenen bezahlt. Die lateinische Inschrift erinnert an die Stelle aus dem Evangelium: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

via isola delle Stinche, angolo via Ghibellina
Tabernacolo Isola delle Stinche

Tabernakel von Sant'Ambrogio

Ein schöner Tabernakel, der an der rechten Seitenwand der Kirche Sant’Ambrogio angebracht ist und den namensgebenden Heiligen darstellt; er wurde von Giovanni della Robbia aus glasierter, mehrfarbiger Terrakotta gefertigt.
Zu Füßen des Heiligen befindet sich eine stilisierte rote Festung: Sie ist das Emblem der berühmten Potenza Rossa (eine der Potenze oder Brigate Festeggianti, weltliche Nachbarschaftsvereine, die für die „Stadtteilfeste“ zuständig waren), die den Tabernakel in Auftrag gegeben hat. Das Rot steht für die Farbe der Ziegelsteine, die in diesem Stadtteil, der Mattonaia, hergestellt wurden. Die darunterliegende Inschrift erinnert an den Besuch von Papst Pius VII. im Jahr 1805, der nach der feierlichen Krönung Napoleons Bonapartes in der Kathedrale Notre-Dame aus Paris zurückkehrte.

Borgo la Croce
Tabernacolo di Sant'Ambrogio

Tabernakel der Santa Maria della Tromba

Der Tabernakel befindet sich an einer Ecke des Palagio dell’Arte della Lana, stammt jedoch ursprünglich aus dem Sitz der Trompeter der Florentinischen Republik, von dem er seinen Namen erhielt. Dieser Sitz wurde im Zuge des Abrisses des alten Marktviertels und des Ghettos in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zerstört.

Das Gemälde, das eine Madonna mit Kind darstellt, wurde im 14. Jahrhundert von Jacopo del Casentino geschaffen.

via dell'arte della lana
Tabernacolo di Santa Maria della Tromba

Tabernakel von Borgo la Croce

Das Fresko, ein Werk von Giuseppe Moriani (1717), zeigt Christus, wie er vom Kreuz herunterkommt, dazu aufgefordert von Maria, die an seiner Seite kniet und zu den Passanten blickt. Dies war eine der „Stationen“, an denen die zum Tode Verurteilten aufgefordert wurden, anzuhalten, bevor sie zum Ort ihrer Hinrichtung weitergingen: Porta alla Croce, auf der heutigen Piazza Beccaria.
Tatsächlich begann der Weg der Verurteilten nach der Belagerung von 1530 zwar weiterhin bei den Gefängnissen, führte jedoch nicht mehr über die Via de’ Malcontenti, sondern über Borgo Albizi, Via Pietrapiana, Sant’Ambrogio und eben Borgo la Croce.
 

Borgo la Croce
Tabernacolo di Borgo la Croce

Tabernakel der 5 Lampen

Es handelt sich um einen originellen Tabernakel, der eher wegen seiner Struktur als wegen des Gemäldes interessant ist, obwohl es sich dabei um eine bemerkenswerte Madonna mit Kind handelt, ein Werk von Matteo Rosselli aus dem 15. Jahrhundert. Zu beiden Seiten Marias sind der Heilige Johannes der Täufer und der Heilige Zanobi zu sehen.
Bemerkenswert und das auffälligste Element sind die fünf großen Votivlampen, deren Öl durch Spenden gespeist wurde, die in den dafür vorgesehenen Schlitz geworfen wurden, der unten noch heute sichtbar ist.

via Ricasoli, angolo via de' Pucci
Tabernacolo delle 5 lampade

Tabernakel der via Portinari

In der Nähe des alten Spitals Santa Maria Nuova, das von Folco Portinari, dem Vater von Dantes Beatrice, gegründet wurde und noch heute im Dienste des florentinischen Gesundheitswesens steht, befindet sich dieser interessante Tabernakel mit einer von Matteo Rosselli gemalten Madonna mit Kind.
Im unteren Rahmen finden wir sowohl das Wappen des Spitals Santa Maria Nuova, das eine Krücke darstellt, als auch eine Almosenluke aus den Jahren 1618–1621.

via Folco Portinari
Tabernacolo di via Portinari