
Pinocchio, Collodi und Florenz
Die Abenteuer von Pinocchio, der frechen Marionette, wurden ab der ersten Ausgabe vom 7. Juli 1881 in der Kinderzeitschrift Giornale per i Bambini in Fortsetzungen veröffentlicht.
Der Autor dieser „Kinderei” (wie er es selbst nannte) war Carlo Lorenzini, Schriftsteller und Journalist, der sich Collodi zu nennen pflegte, nach dem Namen des Dorfes in der Valdinievole, aus dem seine Mutter Angiolina stammte.
Orte und Menschen in der Entstehungsgeschichte der berühmtesten Marionette der Welt
Pinocchio und Florenz – oder zumindest die Umgebung der Stadt – sind jedoch sehr eng miteinander verbunden. Die Inspirationen, Orte und Figuren des Romans lassen sich auf eine „landschaftliche Suggestion“ zurückführen, die dazu führte, dass die ersten Leser der Abenteuer der Marionette hinter den erfundenen Ortsnamen die vertrauten Orte Florenz, Castello, Peretola und Sesto Fiorentino erkennen würden
Die Fortsetzungen wurdem zwar die in einem einzigen Band zusammengefasst, der zu einem weltweiten literarischen Erfolg werden sollte.
Collodi und Florenz
Carlo Lorenzini stammte aus Florenz und wurde 1826, also vor genau zweihundert Jahren, in der Via Taddea in der Nähe des Mercato di San Lorenzo geboren. An der Fassade des Hauses Nr. 21 befindet sich eine Gedenktafel, die an die Geburt von Carlo Lorenzini, „genannt Collodi, Vater von Pinocchio“, erinnert.
Die Eltern, beide aus einfachen Verhältnissen stammend, arbeiteten für die Familie des Marquis Leopoldo Carlo Ginori, die für den jungen Carlo eine wichtige Rolle spielte. Er erhielt unter anderem eine Ausbildung am Liceo Classico Galileo in der Via Martelli, wo eine weitere Gedenktafel an ihn erinnert.
Der Palazzo Ginori in der Via Rondinelli ist ein weiterer Ort, der mit Collodi in Verbindung steht; hier lebte der Schriftsteller und starb; seine Grabstätte befindet sich hingegen auf dem Friedhof „Cimitero delle Porte Sante“ am Fuße der Kirche San Miniato al Monte mit Blick auf die Stadt.
Zu Lebzeiten hielt sich Collodi jedoch auch häufig in Castello auf, jenem hügeligen Ort zwischen Florenz und Sesto Fiorentino, wo die Familie Medici ihre Villen besaß und wo sein Bruder Paolo die Villa Il Bel Riposo besaß, einen Ort der Erholung und der Ruhe, eingebettet in eine Landschaft von großer Schönheit.
Paolo Lorenzini war viele Jahre lang, von 1854 bis 1891, Direktor der Porzellanmanufaktur von Doccia, die vor den Toren von Sesto Fiorentino lag.
Die Schauplätze der Abenteuer
Wenn also alle Kunstwerke auf einer konkreten Realität beruhen, kann man sich auf eine Reise in die Entstehungsgeschichte von Pinocchio und seinen abenteuerlichen Erlebnissen begeben.
Gerade die Gassen von Castello sollen die Kulisse für Pinocchios Leben gebildet haben, mit den Läden der Handwerker bzw. von Geppetto oder von Mastro Ciliegia; der Hinweis auch auf eine Dienstmagd, kaum mehr als ein Kind, blond und mit blauen Augen, die in der Villa Il Bel Riposo lebte: Prototyp der blauen Fee, die im Buch auch das schöne Mädchen mit den blauen Haaren genannt wird.
Und da wir uns zwischen Florenz und Sesto Fiorentino befinden, war das bunte und volkstümliche Straßenfest, das Ende August in Sesto Fiorentino stattfand, wahrscheinlich die Inspirationsquelle für das „Das Land der Spielereien".
Die "See"
Der kurioseste und zugleich unerwartetste Aspekt dieser Entstehungsgeschichte der Schauplätze von Pinocchio rund um Florenz ist der, der mit Peretola in Verbindung steht. Peretola, ein Vorort der Stadt, der mit dem Namen des Flughafens von Florenz verbunden ist, ist historisch gesehen ein Ort, der durch die Anwesenheit alter Familien geprägt ist, wie etwa der Vespuccis (ja, genau die von Amerigo, dem Seefahrer).
Wir befinden uns in der sogenannten „Ebene“, die, wie noch im 19. Jahrhundert belegt, ein sumpfiges Gebiet war und durch das Vorhandensein von Wasser gekennzeichnet war. So könnten die in Pinocchios Buch so zahlreichen Hinweise auf die See genau auf dieses „Meer/See“ von Peretola verweisen, das von flachen, für Sumpfgebiete typischen Booten durchquert wurde. Ein „Meer“, eine Wasserfläche, die vom Hügel von Castello aus gut zu sehen war. Ein Meer, das heute durch die starke Verstädterung und den Flughafen ersetzt wurde
Ein weltweiter Erfolg
Eine fantastische Reise, die uns an die Orte führt, an denen die Inspiration für einen später weltberühmten Autor und eine Figur entstand: Pinocchio, die Marionette, deren Nase wächst, wenn sie lügt, und deren Abenteuer voller Bedeutung und erzählerischer Tiefe weit über das Kindermärchen hinausgehen.
„Die Abenteuer des Pinocchio“ ist ein literarisches Meisterwerk, das in mindestens 240 Sprachen übersetzt und in Hunderten von Auflagen erschienen ist. Es war Vorlage für Dutzende von Theater- und Filmadaptionen, darunter die von Walt Disney, und hat zahlreiche Regisseure fasziniert, von Comencini bis Benigni, von Guillermo Del Toro bis Garrone.
Wir danken den Autoren des Buches „La guida ai luoghi di Pinocchio“ (Maurizio Bruschi und Anna Soldani, Florence Art Edizioni) für die Anregungen zu dieser Route.
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Die Orte
Etappen
via Taddea 21
Carlo Lorenzini, better known as Collodi, the author of The Adventures of Pinocchio, was born in 1826 at 21 Via Taddea.
A plaque commemorates him.
Liceo Galileo
The Liceo Classico Galileo is situated in the heart of Florence, where it plays a key role in the city’s cultural life: throughout its long history, which began in the second half of the 16th century, the school has welcomed distinguished figures from the worlds of literature, politics and science.
Palazzo Ginori - via dei Rondinelli
The building was erected on the site of several houses belonging to the Carnesecchi family, probably during the 16th century. Although its overall design reflects the architectural features of that period, the palace has undergone alterations dating from the second half of the 19th century; nevertheless, it retains its overall proportions and balance of form.
The ownership of the building is indicated by the coat of arms adorning the centre of the façade, bearing the Ginori family crest (azure, a band of gold charged with three six-pointed stars of the field). Carlo Lorenzini, author of Pinocchio and known as Collodi (commemorated by a plaque affixed to the front of the building in 1981), lived in the palace during the period when he was a guest of his brother Paolo, who resided here as manager of the Ginori porcelain factory. A Ginori shop can still be found on the ground floor.
Cimitero delle Porte Sante
Der Cimitero delle Porte Sante (Friedhof der Heiligen Tore) ist ein monumentaler Friedhof, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts am Fuße der Basilika von San Miniato al Monte errichtet wurde.
Es beherbergt die Gräber wichtiger Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens: darunter von Schriftstellern wie Carlo Collodi, Politikern wie Giuseppe Spadolini und vielenKünstlern wie Ottone Rosai und Franco Zeffirelli.
Viele Gräber wurden von bedeutenden Künstlern gestaltet oder dekoriert, so dass dieser Friedhof im Laufe der Jahre zu einem wahren Freilichtmuseum geworden ist. Bei der Architektur und den Dekorationen gibt es ein wahres Repertoire an Stilen: von der byzantinischen Wiederbelebung bis zur florentinischen Tradition der Neugotik/Renaissance, vom Neoklassizismus bis zum Jugendstil.
Der malerischste Teil des Friedhofs befindet sich unterhalb der Fassade von San Miniato, während der älteste Teil (mit den Gräbern aus dem 19. Jahrhundert) hinter der Basilika liegt.
Medici Villa Petraia
Die Villa Petraia liegt nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt; das Festungsgebäude, von dem noch der grosse Turm erhalten ist, wurde gegen Ende des 16. Jahrhunderts zur großherzoglichen Residenz erbaut und auf dem umliegenden Gelände wurde ein Terrassengarten angelegt.
Das Interessante an dieser Residenz ist, dass sie von den Medici über die Lothringer bis hin zu den Savoyen, dem italienischen Königshaus, überging, das Modernisierungs- und Ausstattungsmaßnahmen durchführte. Der Innenhof ist mit Fresken aus dem späten sechzehnten und der ersten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts dekoriert und wurde im 19. Jahrhundert bedeckt, damit ein Tanzsalon entsteht.
König Vittorio Emanuele II. lebte hier zur Zeit der Hauptstadt Florenz und die heutige Einrichtung stammt größtenteils aus dieser Zeit.
In den Sälen der Villa sind die Lünetten des Malers Giusto Utens erhalten, die alle Villen der Familie Medici darstellen.
Der Garten der Medici Villa von Castello
Die Medici Villa von Castello ist eine der ältestenVorstadtresidenzen der Medici Familie, die sie schon seit dem Jahr 1477 besaß.
1538 beauftragte Cosimo I. den Bildhauer und Architekten Niccolò Tribolo mit der Gestaltung des neuen großherzoglichen Gartens, der durch die Symbolik seiner Statuen, Brunnen und Grotten die Macht des Fürsten rühmen sollte.
Der Garten kann besichtigt werden: er ist reich an Zitrusgewächsen sowie seltenenPflanzenarten und ist mit antiken Renaissance-Skulpturen geschmückt. Reizvoll ist die Grotta degli Animali, (Grotte der Tiere) die ursprünglich von Wasserspielen belebt wurde.
Vor dem Besuch des Gartens ist eine interessante multimediale Führung herunterzuladen; evtl. kann man sie online konsultieren, da sie unter diesem Link verfügbar ist.
Ragionieri Library | Sesto Fiorentino
The Ernesto Ragionieri public library in Sesto Fiorentino has very old origins and an evocative history, in fact it was born in 1886 out of the donation of books by French doctor Claude Henry Amédée Chambion to the Biblioteca Circolante, a popular institution.
On this foundation the current library was constituted and since 2010 it has found a home in Villa Buondelmonti, the building where Marquis Carlo Ginori founded the historic Porcelain Manufacture of Doccia in 1737.
The villa perfectly served the functions of representation and museum of porcelain production; today the Library occupies it with its open shelves.
The Library features a children’s area, a multimedia area, Internet stations, magazines, as well as books. In the hall frescoed by Vincenzo Meucci is a conference room.
The Library is part of SDIAF (Sistema Documentario Integrato Area Fiorentina)






